Bereits im letzten Jahr hatten wir uns mit Pia & Reimund zum gemeinsamen Camping in St.-Peter-Ording verabredet, auch weil dort Strandsegeln angeboten wird. Das wollten wir gemeinsam probieren. Und falls danach mit uns selber noch alles im Lot ist, wollten wir die lang geplante Umrundung der Ostsee fahren, mit Halt in Schweden, Finnland, den baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen und zurück über Polen. Und das hat fast so wie gedacht geklappt.

Start am Mi., 10. Juni, in Wattenscheid
1. Stopp: Gauensiekermoor – Fam. Astrid & Sven Leidecker (mit Yannick und Tristan)

Auf dem Weg in den Norden fahren wir gerne bei Leideckers auf Krautsand vorbei. Dann über die Fähre Wischhafen – Glückstadt … Dieses Mal haben wir bei Tochter Astrid in der Nähe Halt gemacht. Mutter Elisabeth war zur Kur und da bot sich das an, auch um den Besuch im September bei uns nochmal kurz anzusprechen. Der Nachmittag verlief wie im Flug, wir besuchten noch ein paar Orte in der Nachbarschaft und am nächsten Morgen ging’s schon wieder los, ab über die Elbe.

Start mit Wasser im Badezimmer, Abwasserschlauch gelöst – einziges Malheur, konnten wir selber reparieren
2. Stopp: Cpl. SPO – Treffen mit Pia & Reimund (mit Jenny) in St.-Peter-Ording
Leider erwartete uns an der Nordsee Shiet-Wedder mit Sturm, Regen, Kälte. Das gebuchte Strandsegeln –> Absage. Aber mit den beiden Freunden war das sehr gut auszuhalten. Wir hatten halt viel zu erzählen, wenn man sich nicht so oft sieht. Wir spielten zusammen unser liebstes „Black Dog“ und wir radelten im Sturm. Zum Strand, in die Nachbardörfer und natürlich zum Fischbrötchen.

3. Stopp: TopPlatz Dagebüll mit Pia & Reimund
Eigentlich war Römö / DK angepeilt, auch wegen Fortsetzung Strandsegeln, aber wegen des Wetters gingen wir im Hafen Dagebüll vor Anker. Auch hier Radtouren, hier und da zum Fischbrötchen und als Highlight ein Tag auf Föhr. Und schon waren die 10 gemeinsamen Tage rum.

Dänemark
4. Stopp und alleine weiter: Cpl. Fort Charlottenlund, Kopenhagen (18./19.6.) über Storesundbrücke (88 €)

40 km Radtour als Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt von Dänemark (670.000 Einw.), vorbei am Hafen, Bahnhof und Tivoli, Regierungsviertel, dem historischen Viertel Nyboder mit dem markanten gelb-braunen Anstrich.

Sehr viel grün, große und kleine Parks. Überall Wasser durch die Lage auf verschiedenen Inseln. Total durchdachte Trennung von Autos und Fahrrädern, mit eigener Verkehrsführung. Genauso viele Fahrräder wie Autos unterwegs. Unheimlich viele junge Menschen, viel Freizeit, viel, sehr viel Sport. Kaum dicke Menschen!!!


Genau deshalb war Kopenhagen unser festes Ziel. Zu erleben, wie das mit dem vernünftigen Radeln in einer Großstadt, und dann noch außerhalb von Holland, funktioniert. Deshalb haben wir den Campingplatz in dem Fort aus dem 1. Weltkrieg schon frühzeitig gebucht, weil der immer ausgebucht ist. 2 Nächte klappten bei uns auch nur mit Umzug am 2. Tag. Und das haben wir nicht bereut, weil das Konzept und die Strategie uns wirklich überzeugt haben. So viele Fahrräder in der Hauptstadt – das war schon erstaunlich. Und diese Räder fehlten dann als Pkw im Autoverkehr – so geht’s!
Schweden
5. Stopp: Camping Sturkö (20. – 22.6.), Halbinsel in den Schären südl. von Karlskrona.
Anreise über die Oresundbrücke (144 €), erst durch einen Tunnel, dann über eine Insel und anschl. erst die „echte“ Brücke (Eindrücke dazu gibt’s im Reise-Video). Der eigentlich geplante Stopp am Dragsö Cpl. geändert, weil voll belegt. Es war die Zeit um „Midsommer“, da sind auch die meisten Schweden unterwegs.

Der Midsommer-Abend auf dem Cpl. litt unter dem 1:5 der Schweden gg. Niederlande (WM USA). Wir konnten eine kleine Wanderung rund um den kleinen Ort unternehmen. Die Fahrrad-Rundfahrt um die kleine Insel ging über 35 km, auch durch Naturreservat und über schmale Wanderwege mit kurzem Schiebebetrieb, aber wir merkten schon, dass Radfahren bei den Schweden, insbes. auf dem Land, nicht so im Vordergrund steht. Man teilt sich die Straße meist mit den Autos. Oder man fährt über Wanderwege.




6. Stopp: KustCamping Gamelby (22.-24.6.), an der Ostsee Rtg. Stockholm, kurz vor Norrköping

Radfahren kleine Runde um die 24 km, viele Hügel rauf und runter (bis an die 50 km/h), dabei ein kleines uriges Café in Lofta entdeckt, in einer ehem. Volksschule von einer Schweizerin betrieben.


Haben uns direkt für den frühen Abend zum Flammkuchen angemeldet. Die Tour nochmals gefahren, leichter Umweg nach Västerwick, waren dann nochmals knapp 30 km. Ok zum Duschen …

Unsere einzige Elch-Sichtung auf der gesamten Rundreise.
7. Stopp: Skärgardscamping in Nävekvarns (24. – 26.6.), kleiner Platz direkt neben dem Hafen
Ohne Strom recht günstig. Anfahrt war die letzten Kilometer wieder herzerfrischend, für Marina. Schmal, kurvig, sehr wenig Gegenverkehr, aber erst spät zu sehen (da wird’s im Reise-Video einige Sequenzen geben).

Nachmittags zu Fuß, einkaufen im Dorfladen, Umrundung der vorgelagerten Insel. Das Bier nach Vier ging nur mit max. 2,1 %. Alkohol ist in Schweden nicht so salonfähig. Meist nur alkoholfreie Getränke in den Cafés. Oder ein Eis im Becher mit 5 € pro Kugel. Hier ist uns deutlich aufgefallen, dass auch die naturverbundenen Schweden, insbes. die, älteren Baujahrs, eingefleischte Autofahrer sind (mal eben 200 m zum Strand, schauen, ob was los ist).





Am anschl. freien Tag ist eine Radtour geplant. Wegen Regen vor dem Frühstück ein paar km gewandert. Regen kam nicht, deshalb nachmittags noch einmal rumgewandert und ein richtiges Bier am Foodtruck bekommen. Ok, 2 x 0,5 l für 20 €!

Anm.: Schweden ist mit einer Fläche von ca. 480.000 qkm wesentlich größer als Deutschland (ca. 360.000 qkm), hat aber mit ca. 10 Mio. Einwohnern nur eine sehr dünne Besiedelung (D: ca. 88 Mio.). Ganz klar, die Natur überwiegt überall, die Schären mit den tausenden Inseln, mal bewohnt, meistens aber Refugien für Tiere, müssen auch beobachtet werden. Erstaunlich: alles wirkt total gepflegt, ohne Dreck, keine Schmierereien … das ist wirklich ein wahnsinniger Eindruck und hat den Ursprung sicher in dem gesellschaftlichen Übereinkommen des „Jedermannrechts“, der gemeinsame Respekt vor der Natur.
Alle besuchten Campingplätze waren wirklich sehr sauber und ordentlich geführt. Für die „mittelprächtigen“ Bewertungen waren sie sehr gut, kein Vergleich zu ähnlich bewerteten Plätzen in Deutschland. Allerdings bleibt eine Einschränkung: Fahrrad ist nicht so verbreitet und bei der geringen Bevölkerungsdichte sind Radwege natürlich nicht so wirklich notwendig. Dafür viel Pkw-Verkehr, auch klar bei den weiten Wegen. Und deshalb auch ein großer Unterschied zu Dänemark: die Menschen in Schweden schienen uns, ob jung, ob alt, schon ein wenig schwergewichtiger.
8. Stopp: Camping Kapellskärs (26. – 28.6.), nördlich von Stockholm, am Übergang zum Lappland.

Der Besuch bei Sibylle und Urban in Stockholm hatte sich erledigt, beide sind in Deutschland, vielleicht werden wir sie auf der Heimreise von Polen aus besuchen.
So konnten wir die schwedische Hauptstadt auf der Nordautobahn umfahren. Alleine die „Skyline“ dieser Großstadt hat uns schon wieder nach der Natur fiebern lassen, auch wenn zu viel Natur oft mit viel Einsamkeit einhergeht.

Inzwischen haben wir unseren „Plan B“ gezogen und uns deshalb diesen Ort (Fährhafen) ausgesucht. Wir werden die Route über den Norden durch das schwedische und finnische Lappland, rund um den Bottnischen Meerbusen, abkürzen. Wenn es noch mehr Natur gibt und noch weniger Menschen … da ist es für uns zu zweit dann doch zu einsam.

da staunt das Reh – Menschen mitten in der Natur
Wir haben für Sonntag (28.6.) in Kapellskärs die Tagesfähre nach Naantali / Finnland gebucht. Auch der Campingplatz hier am Beginn zum Lappland ist noch sehr gering besucht, aber einwandfrei in Schuss. Wir stehen auf einer großen Wiese umgeben von viel Wald, fast allein. Der Fähranleger ist nur 10 min. entfernt. So werden wir hier unsere Schwedenreise beenden.

Den Tank haben wir nochmal mit Diesel gefüllt, soll in Finnland schon deutlich teurer sein.
Am ersten Nachmittag waren wir im angrenzenden Naturreservat wandern, so mitten durch die Wildnis, auf den Spuren der Tiere … irgendwann haben wir den Wanderweg gefunden. Am nächsten Tag sind wir auf unserer Radtour noch beim gut sortierten ICA vorbei, um ein paar Vorräte einzukaufen. Die Route über 22 km ging schon über die Straßen, aber natürlich ohne viel Verkehr.

Das Einschiffen am So., 28.6., Richtung Finnland verlief reibungslos. Die Fähre „Finnsirius“ war ein recht neues, großes Schiff, mit allerlei Annehmlichkeiten (Spa, Wellness, Spielmöglichkeiten für Kinder). Wir bedienten uns mit Kaffee an der Bar und besuchten mal den Dutyfree-Shop. Aber auch ohne Steuern waren die Preise noch ganz schön finnisch.

10 Stunden Schifffahrt zogen sich dann doch. Auch die interessante Route mitten durch die Schären, mit Zwischenstopp auf Aland (Selbstverwaltung unter finn. Hoheit), konnte da keine Kurzweil erzeugen, zumal das Wetter sehr bedeckt war. Bei Sonnenschein wäre das sicher noch ein zusätzliches Highlight, aber nachmittags setzte noch Regen mit Starkwind ein, sodass draußen auf Deck keine Alternative mehr war.

Finnland
9. Stopp: Cpl. Mussalo auf gleichnamiger Insel, zugehörig zur Kommune Taivassalo auf dem Festland, in der Nähe von Turku (28.6. – 3.7.)


Ein von Ehrenamtlichen betreuter Platz des SF-Caravan-Club. Trotz des späten Ausschiffens gg. 21 Uhr (verbunden mit + 1 Std. Zeitzone) machten wir uns auf den Weg Richtung Schäreninsel. Die 50 km verbrauchten wegen der erheblichen Geschwindigkeitsbegrenzungen, verbunden mit unwilligem Navi (endete einfach im Wald) fast unendliche 90 Minuten. Wir hatten uns schon auf eine Übernachtung vor der Schranke eingestellt, aber Überraschung: nach 22 Uhr kam dann doch noch eine Betreuerin und ließ uns auf das Campingterrain.

Abenteuerliche Dauer-Camper-Stellflächen
Am Montag, nach einer ersten Radtour, besprachen wir unsere nächsten Tage. Mussalo machte einen guten Eindruck, wegen der guten Kritiken hatten wir diesen abgelegenen Platz aufgesucht. Deshalb war eine Verlängerung schon mal klar. Viele gute Campings sind in Finnland nicht zu finden. Die Landschaft ist bei weitem nicht so vielfältig wie in Schweden, alles auf dem Land ist schon recht einsam. Verständlich, bei einer vergleichbaren Fläche wie Deutschland leben hier nur 5,5 Mio. Menschen, davon die meisten im Umfeld von Helsinki. Und hier sind Radfahrer noch ein Stück seltener, das Auto ist wohl wichtigstes Mobilitätsmittel.

Und irgendwie färbt das bestimmt auf die Körper ab. Die Menschen hier sind schon alle ein gutes Stück umfangreicher, total sichtbar.




So stand für uns fest, dass wir uns nur eine Woche in Finnland umschauen möchten. Von Sonntag, 28.6. bis Freitag, 3.7., auf Mussalo, auch mit richtigen Ruhe- und Pausenzeiten.

Auf nach Helsinki gen Osten, quer durch Finnland, wie Stockholm auf viele Inseln verteilt
10. Stopp: Cpl. Rastila / Helsinki, von Freitag (3.7.) bis Sonntag (5.7.)
Frühzeitig haben wir uns einen Platz auf Rastila-Camp in Finnlands Hauptstadt reserviert. Da waren nur noch ganz schmale Stellplätze (3,5 m) zu kriegen, deshalb nur die 2 Nächte. Beim Einchecken konnten wir dann doch einen breiteren Platz erhalten. Einen Tag konnten wir uns dann wohl in der Hauptstadt umschauen. Am Sonntag geht’s dann über „Mystar“ der Tallink-Linie nach Tallinn.

Bei der Ankunft in Helsinki waren wir direkt sehr positiv überrascht. Der Rastila-Platz lag mitten in Helsinki, so in den östlichen Außenbezirken. Und da sich Helsinki wie Stockholm über mehrere Inseln erstreckt, lag der Platz direkt am Wasser. Total super organisiert, sogar mit komplett deutschem Plan, sauber, gepflegt und bestens organisiert, und das zum angenehmen Preis von 36,- (ohne Strom). Zudem brauchten wir nur 2,- auf einen großen Stellplatz aufzahlen.
Nachmittags waren wir zu Fuß an der Ostsee unterwegs, mit kleinem Sand-Strand und sehr viel am Wasser entlang, durch dichten Wald. Und in den Ortsteil ging es dann auch schön bergauf, so wie wir es inzwischen von Skandinavien gewohnt waren. Zum Abschluss gönnten wir uns nach Tagen mal wieder ein frisch Gezapftes an der Gastro neben dem Platz, für schlappe 9,- für 0,5 l.
Am zweiten Tag fuhren wir noch vor unserem Frühstück mit den Rädern zur Altstadt, so ca. 16 km durch die Stadt. Welch eine Überraschung – Stadt-radeln wie in Holland. Kaum auf Straßen, überwiegend durch Grün und nie das Gefühl, in einer europ. Hauptstadt auf dem Rad zu sitzen. Und das über mehrere Inseln hinweg. Ok, die uns im Internet dargestellte Altstadt war dann nicht das, was wir so unter einer Altstadt verstehen. Aber wegen eines aufziehenden Unwetters zogen wir es dann doch vor, Richtung Wohnmobil zurück zu fahren. Gerade angekommen, ging es schon los, mit Regen, Blitz & Donner. Die Räder konnte ich auf jeden Fall noch trocken verstauen.

Nach 2 Std. war der Spuk vorüber und wir konnten nochmal zu Fuß in den angrenzenden Ortsteil spazieren. Nix dolles, aber auch hier wieder: alles recht ordentlich und sauber, gar nicht so mit Großstadtanblick wie im Ruhrpott.
Unser Finnland-Fazit:
Obwohl wir mit den meist finnischen Campern keinen Kontakt bekamen (Fettnäpfchen: „niemanden ohne Grund ansprechen“), konnten wir einige Eindrücke erlangen. Die Finnen auf dem Platz Mussalo waren überwiegend (90 %?) stark übergewichtig, egal welches Alter. Viele gehen zwar jeden Abend in die platz eigene Sauna (für alle Gäste kostenloses Angebot), einige sind, wenn auch ganz kurz, regelmäßig im Meer schwimmen, aber ansonsten, so unser Eindruck, läuft die Mobilität ausschließlich per Auto. Ansonsten chillen vor dem Wohnwagen. Mal eben zum Strand? Für die paar Meter läuft das Auto, nicht der Mensch. Bei unseren Ausflügen zu Fuß und per Fahrrad bis auf die benachbarten Inseln werden wir von sehr vielen Autos überholt, Radler oder Fußgänger: Fehlanzeige. Tja, da haben wir uns schon in Schweden über die übermäßige Pkw-Nutzung gewundert, aber die Finnen sind noch mehr im Auto unterwegs. Und das sieht man ihnen an. Ok, in einem Land, so groß wie Deutschland, leben knapp 5,5 Mio. Menschen, 31 auf 1 qkm. In Deutschland sind es schon über 230, da braucht man bis zum nächsten nicht weit …
Dazu passt auch noch das 2. Fettnäpfchen: keine übermäßige Lärmerei. Und wie den skandinavischen Leuten auch nachgesagt wird, sind sie voller Respekt gegenüber der Natur. Naja, ca. 80 % der Ankömmlinge am Cpl. lassen ihre Diesel einfach durch laufen, wenn sie ihre Anmeldung in der Rezeption durchführen, gerne auch über 5 oder 10 Minuten …

Ab über die Ostsee (Baltic Sea) von Skandinavien zum Baltikum auf dem ost-europ. Festland
Die 2 Stunden Fährfahrt von Helsinki nach Tallinn verlief ganz gut. Trotz der vom Buchungsportal „ferryhopper“ falsch mitgeteilten Fähranleger und einem Check-In-Point, der mit 2,50 m Breite und 3,00 m Höhe zu klein war … irgendwie kamen wir auf das Schiff und landeten dann pünktlich zur Mittagszeit wieder auf europäischem Festland in Tallinn, Estland.
Baltikum
Unseren Plan, den Stellplatz „Saunapunkt“ außerhalb von Tallinn anzusteuern, um dann noch mit dem Rad Tallinn zu erkunden, mussten wir wegen erheblicher Regenmassen mit Gewitter-Unwetter fallen lassen. Da lokal auch am nächsten Tag keine Besserung in Sicht war, ging es zum nächsten ausgesuchten Platz, einem der besten in ganz Estland, dem „Solar Caravan Park“ im Kreis Pärnu, im Süden an der Pärnu-Bucht.
Es hatte die ganze Fahrt über kräftig geregnet, aber wir hofften auf einen guten Platz und den nächsten Tag. Bei der Ankunft im Solar Park wurden wir schon draußen vor der Rezeption empfangen. Leider wartete die freundliche Dame nicht auf uns, sondern auf eine Reisegruppe von Seabridge. Außerdem teilte sie uns mit, dass durch den starken Regen über die gesamte letzte Woche die Wiesen-Plätze sehr stark aufgeweicht sind. Handicap einer neuen Anlage: zwar sehr schöne Asphaltwege, aber ohne Entwässerung läuft das Regenwasser einfach in die anliegenden Stellflächen. Ok, dann noch ein Stück weiter, mal sehen …
11. Stopp: Suurkivi Nature Escape in Häädemeeste an der Ostseeküste, kurz vor der Grenze nach Lettland.

Nur 55 km weiter wartete dieser sehr gut bewertete „Naturplatz“ mit viel Ruhe und ohne Schickimicki. Ok, schauen wir uns mal an. Nachdem wir uns über einen matschigen, engen Weg durch ein Wäldchen gekämpft hatten, standen wir qausi auf einer Lichtung, darauf ein Wohnhaus und zwei Wohnwagen aus Deutschland. Wir wussten, auf der Wiese werden wir einsacken und dann nicht mehr aus eigener Kraft rausfahren können. Aber wir waren schon zu weit gefahren, um noch weiter zu suchen. Schließlich fanden wir eine Stelle, wo die Antriebsräder noch auf festem Grund stehen konnten. Da die Lichtung in dem Wald eh nicht parzelliert war, kam uns das schon mal entgegen. Aus dem Wohnhaus kam ein junger, hochgewachsener schlanker Mann, Tom. Er war soweit einverstanden und zeigte uns seine Einrichtungen. Die waren alle in einer Holz-Hütte neben seinem Haus. Mit Küche zum Spülen und kochen, und Sanitärbereich (2 WC, 2 Duschen). Alles in DIY, aus Holz. Liebhaber dieser Naturnähe sind entzückt, wir fanden es recht primitiv und nicht sehr hygienisch. Keine Ent-/Versorgung, weder für Chemie noch Brauchwasser, aber dafür mit liebevoll bemalten Holzschildern, das ganze für 34 € (ohne alles). Ok, für die Nacht war alles gut und wir konnten sogar noch ins benachbarte Dorf zum Supermarkt, denn der hat auch am Sonntag bis 22 Uhr geöffnet.

Einer der deutschen Nachbarn konnte uns erzählen, dass es vermutlich mit dem Wetter nicht viel besser würde, außer irgendwo Richtung Polen. Das große Regengebiet über dem Baltikum würde sich immer wieder um sich selber, aber nicht weiter weg drehen.
12 Stopp: Cpl. Jurasdzeni in Tüja / Lettland (6. – 8.7.)
Am Mo., 6.7., waren wir nur wenige Kilometer unterwegs, aber Richtung Süden und hatten damit Estland nach nur 2 Tagen verlassen. Dieses nördlichste der drei Baltikumländer hat uns landschaftlich sehr gut gefallen. Viele weite Wälder, viel Platz für wenig Landwirtschaft, Menschen haben wir (außerhalb Tallinns) nur sehr wenige zu Gesicht bekommen, es gibt halt auch nur 1,3 Mio. Esten. Und an einigen Häusern konnte man noch die Geschichte der Sowjetunion erkennen, erst 1991 gab es die Unabhängigkeit Richtung Westen.

Der Übergang nach Lettland war deutlich, die riesigen Grenzanlagen waren noch einigermaßen erkennbar. An der Landschaft hat sich nichts besonderes verändert, aber auch hier, mit nur wenigen Menschen (1,8 Mio.) war direkt auffällig, dass alles sehr sauber und gepflegt war. Kein Dreck, kein Müll an den Straßenrändern, die Plätze gereinigt – einfach toll zu sehen. Auch die riesigen Vor-/Gärten sehr gepflegt – Hut ab!

Abends kam wieder ein starkes Gewitter, mit viel Hagel, starkem Wind und sehr viel Regen. Aber am nächsten Morgen schien wieder die Sonne. Keine hohen Temperaturen, aber in der Sonne schön warm. Und so ging’s in die Umgebung, durch die Dörfer, über kleine Straßen und Wege, über Schotter und Matschwege und durch die dichten Wälder, die fast so aussehen wie Urwald. In einer Metzgerei mit Gastro konnten wir Fleisch und Wurst einkaufen.

Nach getaner Arbeit gönnten wir uns mal wieder ein frisch Gezapftes an der Strandbar. Und es wurde wieder dunkel und regnerisch. Das Wetter im Baltikum ist derzeit sehr nass. Die Temperaturen gehen dann eher unter die 20 Grad. Und eine Besserung ist aus den Wetterdaten nicht in Sicht. Insofern ändern wir einfach den Plan. Wir suchen gute Plätze weiter in Richtung Süden und Polen. Bei solchem Wetter macht das Ausharren einfach keinen Spaß. So werden wir morgen weiter fahren, am Wochenende sollte es Richtung Litauen besser werden. Mal sehen … Zu Hause gibt’s derzeit eher viel zu wenig Wasser, und auch die Temperaturen sollen wieder viel zu heiß werden. Man kann’s halt keinem recht machen.


13. Stopp: Bauernhof-Cpl. Atokvepis im Landesinneren von Litauen.

Am Morgen unserer Abfahrt (Mi., 8.7.) von dem sehr guten Camping Jurasdzeni an der lettischen Ostsee haben wir sicher mehr als eine Stunde lang gesucht, wo es hin gehen könnte. Eigentlich waren die Aussichten im weiten Umfeld sehr schlecht, viel Regen, viel Wind bis Sturm, bei 14 – 16 Grad. Da ich selber unbedingt auf die Kurische Nehrung (Litauen) wollte, haben wir uns für einen Campingplatz an einem Kitespot bei Klaipeda entschieden. Aus der Mitte Lettlands bis zum Süden von Litauen hinter Klaipeda, kurz vor der russischen Grenze (Oblast Kaliningrad) war die Route mit knapp 400 km und 6 Stunden Fahrzeit die längste bisher, aber was macht man nicht alles für das Wohlbefinden. Allerdings haben wir beim Grenzübergang nach Litauen erfahren, dass die Straßen, auch die Überlandrouten (bislang im Baltikum ganz ok), in sehr schlechtem Zustand sind. Unser Wohnmobil wurde schlimmer durchgeschüttelt als auf der Sardinienreise, ganz schlimme Zustände. So kamen wir erst gegen 16 Uhr vor der kurischen Nehrung an. Die letzten Kilometer über den total demolierten Asphalt, bei Sturm und Starkregen, werden wir wohl nie wieder vergessen. Der blanke Horror! (Mit den Videos aus der Dashcam wird das dann im Reisefilm deutlicher.)

Schnell war klar: hier bleiben wir nicht. Schon im Stand wurde der Camper hin und her geschüttelt. Die Nacht wäre nicht zum Schlafen gemacht. Schnell hatte Marina einen recht ordentlich bewerteten Cpl. im Landesinneren gefunden. Schnell angerufen, dass noch ein Platz ist, dann los. Nach 19 Uhr hatten wir auf weiterhin sehr poltrigen Straßen den Ort erreicht, wo uns die Bäuerin freundlich erwartete.

Radwege im Dorf besser als die Straßen 😉
In der Nacht bis zum Morgen wieder Regen ohne Ende. Und wieder die Bauchschmerzen „Hoffentlich kommen wir aus der durchweichten Wiese wieder raus“ (wie bei allen Plätzen im Baltikum). Aber tagsüber hatten wir überwiegend trockenes Wetter. Kurze Radtour in den nächsten Ort, auch zum Supermarkt. Nachmittags konnten wir sogar draußen in der Sonne Kaffee trinken (mit den Zimtschnecken, die hier überall zu finden sind).
Für den nächsten Tag ist wieder Regen angesagt. Deshalb werden wir unseren Baltikumaufenthalt beenden und weiter nach Polen fahren. Allerdings war auch dieser „toll bewertete“ Platz Grund für die baldige Abreise. Keine V/E, WC mitten in der Küche, Duschen nur mit Zuschauern … ja, ja, das ländliche Camping verzückt die Gemeinde (uns nicht).
Polen
14. Stopp: Camping Mazur Syrenka (Krutyn) in der masurischen Seenplatte (10.-13.7).

Fahrtstrecke über Kaunas zur Grenze bei Suwalki. Zum ersten Mal bei einer Grenzkontrolle (Litauen-Polen, innerhalb der EU) wurden wir nicht nur rausgezogen und „papiermäßig“ kontrolliert, sondern auch das gesamte Wohnmobil wurde mit Garage und Bad durchsucht. Aber wir hatten natürlich nur Schnaps an Bord und keine Migranten.
An der Grenze konnten wir noch zu einer Filiale der „e-toll.pl“, um unsere Maut zu entrichten. Seit Jahresbeginn haben die Polen fast alle Autobahnen und Bundesstraßen mit Maut (über 3,5 t) belegt. Mein veraltetes Navi und auch Google Maps konnten nicht mautfrei fahren. Aber die Filiale konnte mir zumindest über die holprigen polnischen Klippen helfen (Account verifizieren, App einrichten).

Cpl. Mazur mit Bar am Fluss (und Bierchen zu normalen Preisen)
Und so ging’s weiter zum Mazur-Cpl. Dort befanden wir uns im TopSpot der Kanu- und Kajak-Fahrer. Tausende von Booten lagen bei den Verleihern, um von den Touris über die Krutynia geschippert zu werden. Wir sind lieber geradelt. Das war schon herausfordernd. Viele Matschwege, viel Schotter und Sand, befestigte Asphaltwege waren die Straßen. Die Autos brauchten diese engen Trassen, für Räder war da eigentlich kein Platz. Und der gemeine Pole ist halt Autofahrer. Fahrräder gehören nicht in seine Pläne. War deshalb schon sehr anstrengend, sich diese Kfz vom Leib zu halten. Beim Radeln konnten wir neben der tollen grünen Landschaft sehen, dass es in Polen vermutlich auch eine Menge gut Verdienender gibt. Viele Neubaugebiete in den Ausflugsgebieten mit sehr teuren Anwesen, überwiegend wohl Urlaubsdomizile. Allerdings konnten wir auch die Kehrseite erkennen; da gibt’s schon verfallene Häuser, in denen die Geringverdiener untergebracht sind.




Der Campingplatz selber hat uns ganz gut gefallen, eingerahmt von einem kleinen Waldstück und zu einem Freizeitpark mit vielen festen Unterkünften gehörig, mit modernen Anlagen und sehr gepflegt.
15. Stopp: Camping Elblag (Elbingen, 13.-15.7.), am gleichnamigen Fluss, der in das Frische Haff mündet, in der Nähe zu Kaliningrad.

Am Tag unserer Ankunft war der Platz schon sehr voll. Wir haben uns dann die recht ansehnliche Altstadt angeschaut.


Am zweiten Tag sind wir mit dem Rad zu den „Rollbergen“. Eine 150 Jahre alte technische Meisterleistung für den Schiffsverkehr. Von den Binnenseen zur Küste gab es durch ca. 100 m Höhenunterschied Schwierigkeiten bzw. weitläufige Wasserwege. Durch den Einbau von fünf dieser Rollberge, anstelle von sehr kostenträchtigen Schleusenanlagen, konnte ein direkter Kanal verwirklicht werden. Da kommen die Schiffe in eine Art Wagen, der dann über den Berg gezogen wird und am Ende können sie von dort wieder ins Wasser gleiten. Das Ganze wird getoppt von einem sehr energieeffizientem Wasserantrieb, der diese Wagen rauf und runter zieht, ohne dass andere Energie verschwendet wird. Schon Wahnsinn, was sich Menschen früher ausgedacht haben.. Einer der Ingenieure war auch beim Bau des Suez-Kanal beteiligt.




16. Stopp: Camper-Park Kopan (16. & 17.7.), Ostseeküste hinter Leba.
Gdansk, Halbinsel Hel. Diese Ortschaften haben wir alle abgefahren, aber wegen der Ferien in Polen (alle gleichzeitig) war direkt an der Ostsee nix zu finden. Die von uns geplanten Campingplätze waren voll. Wir hatten dort nichts reserviert, allein wegen der Termine, die nicht so recht kalkulierbar waren. Der Camper-Park lag ein wenig weiter weg von der Küste und so konnten wir nach 4 erfolglosen Nachfragen noch einen Platz finden. Ok, schöner Platz, aber Sani unterirdisch. Keine weiteren Worte, wir haben ja alles an Bord.

Auch hier unser normaler Tagesablauf: Ankommen, Kaffee trinken, Umgebung zu Fuß erkunden, Bar und Bierchen finden … Nächster Tag radeln, 40 – 50 km, durch’s Hinterland und an der Küste lang. Viele Eindrücke; Landschaften ohne Ende, Ur-/Wälder, Landwirtschaften ohne Ende. Radwege eher grottenschlecht, Betonplatten, Sand, Matsche. Nur selten, meist im Umfeld der Touri-Hotspots, richtige Radwege.



Tja, die Straßen außerhalb der mautpflichtigen Straßen waren eher schlecht. Schmal, sehr viele Löcher, Straßenbäume sehr nah im Fahrprofil. Mautkosten für die Querung von Polen (ca. 900 km) beliefen sich auf ca. 41 € (kein Vergleich zu Österreich).
Deutschland
17. Stopp: Stroam-Camping Schwedt / Oder (17. – 19.7 – online gebucht).

Vor der Grenze nochmal günstig Tanken (7,34 PLN = 1,69 € für Diesel). Überraschung bei der Ankunft: der Platz feierte seinen 2. Geburtstag und wir konnten bei Grillen und Bier teilhaben. Nebenbei lernten wir, dass der Landkreis Uckermark nicht zu MeckPom, sondern zum Land Brandenburg gehört. Wieder was gelernt.






Die Anlage war entsprechend top, sauber und gepflegt. Natürlich radelten wir wieder, 40 km durch den Nationalpark Unterer Oderbruch und nochmal über die Grenze, um die letzten Zloty loszuwerden.
18. Stopp: Cpl. Im Grünen Elsebusch in und am Arendsee v. 19. – 21.7. (Sachsen-Anhalt).

Der Platz und auch die gesamte Stadt waren recht leer. Große Hotels am See waren sogar geschlossen. Okay, das Wetter war nicht so recht sommerlich, viel Wind, Regen, Gewitter und so gar nicht anregend zum Baden oder Wassersport. Wir haben die Räder gar nicht raus geholt, sind am See lang gelaufen. Außerdem, so in den Lokalnachrichten, war der Arendsee durch die Hitzeperiode von gefährlichen Algen befallen.

Hier hatten wir telef. Kontakt mit Marinas ehem. Kollegin Sybille, die wir schon vor 20 (?) Jahren in Stockholm besucht haben. Mit ihr und ihrem Ehemann Urban haben wir uns dann in Schwaförden verabredet, an ihrem Elternhaus südl. von Bremen.
19. Stopp: Schwaförden, Parkplatz am Friedhof
So sind wir am Di., 21. Juli zu Sybille & Urban gefahren. Vom Plan, den nahegelegenen Stellplatz in Sulingen zu nutzen, brachten uns beide ab und wir konnten dann in ihrer direkt Nähe übernachten. Das war zum Schluss unserer Ostseeumrundung noch ein schönes Highlight; die beiden sind ebenfalls ganz liebe Menschen. Wir haben uns natürlich über Skandinavien und bes. Schweden austauschen und dazu lernen können.
So endet dann unsere Reise nach 44 Tagen, 5.000 mit ca. 800 geradelten Kilometern und noch mehr Eindrücken wieder in Wattenscheid.
Fazit:
Die Erlebnisse rund um Natur & Landschaften bleiben sicher unvergessen. Genauso unvergessen: die Skandinavier*innen sind auf keinen Fall die besseren Menschen. Genauso wie die Menschen im Baltikum und erst recht die Bewohner*innen von Polen. Insbes. von den Finnen waren wir eigentlich ausgegangen, dass diese immer glückliche und sehr schlauen Menschen was ganz Besonderes sein müssen. Ne, ne …
Natürlich liegen da nur unsere eigenen Eindrücke zugrunde, aber aus den Beobachtungen heraus können wir klar sagen, dass alle oben genannten auch nur ihr Leben meistern wollen, auch viel Egoismus erkennbar war und der Naturschutz im kleinen auch nicht so wichtig genommen wird. Schon klar, bei viel Land und wenig Menschen ist individuelle Mobilität noch wichtiger als bei uns im Ruhrpott. Da lohnt es sich vermutlich nicht, für die paar Menschen zu den eh aufwändigen Straßen, Eisenbahnstrecken und Brücken noch Radwege zu bauen. Aber dass auch in den Dörfern alles (!), sogar der Strandbesuch bis zum Wasser hin mit dem Auto erledigt wird? Und den Motor bei Stopps abzustellen wird auch überbewertet. Was wir im Straßenverkehr erlebt haben, werden wir auch im Video mal zeigen.
So steht fest: Dänemark werden wir auf jeden Fall nochmal ausgiebiger besuchen, Schweden und Aland würden wir mit Freunden auch nochmal bereisen. Alles andere hat sich erledigt. Aber in unserem fortgeschrittenen Alter bleibt ja noch einiges in unserer Nähe zu sehen, auch wenn wir einiges bereits abgehakt haben. Lasst Euch überraschen!