Elb-Auen

Unsere 1. Reise nach Ostdeutschland gründete auf der Wettervorhersage. Ein Sturmtief über Westen sollte den Osten verschonen, freundliches Wetter sollte vorherrschen. Deshalb entschlossen wir uns am Montag (23. Sept.) vor der Abreise auf ein Ziel in Sachsen-Anhalt, im Freizeitpark Plötzky bei Magdeburg.

Unser Cpl. im Freizeitpark Plötzky (OT von Schönebeck / Elbe)

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Immerhin 400 km / 5 Std. Fahrt legten wir über Hannover und dem ehem. Grenzübergang Helmstedt zurück. Am Nachmittag erkundeten wir zu Fuß den Platz und die Umgebung . Wir stießen auf ein sehr umfangreiches Angebot mit Tiergehegen, Adventure Golf (etwas größer als Minigolf, sehr akkurat erstellt), Fußball-Billard (noch nie gesehen), Bowlingbahn, Badesee, Reitmöglichkeiten ggü., viel Natur, Wälder und Auenlandschaften und abenteuerliche Radwege abseits der Hauptroute „Elbe-Radweg“.

Der Platz war mäßig belegt, also genau unsere Camping-Atmosphäre, die Einrichtungen waren modern und sauber. So konnten wir nach den ersten zwei Test-Tagen die Woche voll machen. Natürlich wollten wir auch raus, in die Auenlandschaften, an die Elbe und in die umliegenden Dörfer.

Am Dienstag führte uns eine ausgedehnte Radtour quer durch das „Biosphären-Reservat Mittlere Elbe“, über die Elbe nach Schönebeck (riesig lange Brücke über das gesamte Überflutungsgelände). Eine Rad-Stadtrundfahrt mit Schwierigkeiten, weil kein vernünftiges Radwegenetz, etwas gewollt, aber wohl ohne Plan; zB wegen einer Einbahnstraße (nicht für Radfahrer frei!) muss man quasi um den Stadtkern auf Straßen radeln. Naja, dagegen ist die Beschilderung in der gesamten Gegend der absolute Hammer. Extra ein Radkarte gekauft, um mal nicht online-abhängig zu sein, und da gab es überall keine durchgehende Beschilderung. Teilweise in Holz geschnitzt, manchmal mit hellgrauer Schrift auf weißem Grund, regelmäßig aber fast keine vorhanden. So schöne Gegend und so wenig Plan … aber das Radeln macht trotzdem riesog Spaß, weil absolut unterschiedlich und abwechslungsreich.

Auf jeden Fall sind wir dann nach einer Mittagspause auf dem Marktplatz noch raus aus der Stadt, bis hin zum „Ringheiligtum“ in Pömmelte (eine 4.500 Jahre alte Andachtsstätte, die nachgebaut wurde und von einem Turm aus überblickt werden kann).

Auf jeden Fall schon mal zwei trockene und warme Tage außerhalb des Schlechtwetters.

Wenn man oben auf der Straße (von Gommern nach Dornburg) dem „offiziellen Elbe-Radweg“ folgt, kommt man an diese Einmüdnung und denkt, das Schild (rechts) weist uns nun endlich den Weg von der Straße weg durch die Landschaft. IRRTUM! Das Schild sagt einfach: Geradeaus weiter auf der Straße dem Elbe-Radweg folgen. Hut Ab …

Am Mittwoch war Regen angesagt. Wir mit dem Rad zum Solepark mit Bad und Sauna; gut, dass wir uns das am Vortag schon angeschaut haben. Mit dem Regen im Nacken hätten wir uns wieder einen Wolf gesucht, Ausschilderung nein Danke.

Während der Rückfahrt hörte der Regen auf, die Sonne kam durch und wir konnten noch draußen Kaffee trinken.

Am Donnerstag sollte das Wetter bis abends trocken bleiben. Deshalb sind wir auf den Rädern mal Richtung „3-Fähren-Tour“ geradelt. In 20 km Süd, bei Barby geht diese Tour los und führt dann über die Elbe weiter nach Süden (Tochheim), dort mit der Fähre über die Elbe und an der Saale weiter. In Rosenburg überquert man die Saale und fährt zurück nach Barby. Aus den ersten 20 km bis Barby sind dann wegen der tollen Beschilderung doch 30 geworden, obwohl wir auf der östlichen Elbeseite überwiegend den Elberadweg gefahren sind. Aber bis wir den gefunden hatten, boa eyh … Keine Schilder, und wenn man einem gefolgt war, kam man ganz woanders raus (immer geradeaus bis das nächste Schild kommt … dann wären wir in Berlin gelandet). An einer Stelle führte ein „Elbe-Radweg“-Schild von der Straße (endlich) weg, durch einen Wald, über Schotter und dickste Steine („das kann niemals der Elbeweg sein!“) auf eine Weide – Ende (s. o.). Zurück auf der Straße konnte man erkennen, dass das Schild gut 50 m in den Wald gestellt, trotzdem die Richtung auf der Straße anzeigte (man fasst es nicht).

Bei den Fähren handelt es sich um sog. „Gierseilfähren“, die fast klimaneutral durch die Flussgeschwindigkeit über den Strom getrieben werden. Die in Barby nimmt bis 20-Tonnen-Lkw mit. Ein älterer Flösser schafft das mit Muskelkraft und Wasserkraft fast ganz alleine, nur die Richtungsänderung erfolgt mit Ketten über einen E-Motor. Im Gegensatz zu den uns bekannten Fähren an der Weser (an Hochseilen über den Fluß geführt) sind die Ketten in der Elbe in mehr als 300 m aufwärts in der Flussmitte verankert, und um diesen Anker bewegt sich die Fähre; ein Hoch auf die deutsche Ingenieurskunst.

kaum zu erkennen, der Anker der Gierketten mitten hinten in der Elbe
ohne Motor bis zu 30 Tonnen gesamte Last über die Elbe

Nach einer kurzen Dorfbesichtigung in Barby (sehr alte, oft gut erhaltene Häuser) kehrten wir im „Grüner Anker“ auf ein Bier ein. Dabei konnten wir dann die ankommenden dunklen Regenwolken erkennen, die in Kürze eintreffen würden. Deshalb verzichteten wir auf die übrigen Fähren, nahmen wieder die Fähre nach Ronny radelten auf einer alternativen Route des Elberadwegs zurück.

In dem Bereich führt der Weg nur selten direkt an der Elbe lang, überwiegend geht es durch unheimlich weite Auenlandschaften, mal Wälder, mal Ur-Wälder, viele Weide, eine insgesamt erstaunliche Naturlandschaft, fast ohne Menschen, ohne Bebauung und ganz ganz wenige Kfz.

Überflutungsbereich der Alten Elbe am Eingang nach Magdeburg

Nach dem vorhergesagten Regen am Freitag besuchten wir am Samstag die Landeshauptstadt Magdeburg. Am Freitag hatten wir schon ein paar Pläne zum Überbrücken des Schlechtwetters (Putz- und Flickstunde, Spiele, PC raus und diese Zeilen geschrieben usw.). Nachmittags hatte es aufgehört zu regnen, da sind wir mal per Pedes ins Nachbardorf Gommern. Dort gab es Einkaufsmöglichkeiten. In Magdeburg warteten einige Sehenswürdigkeiten.

Aufgrund der schlechter werdenden Wetteraussichten und Marinas Arztbesuch sind wir am Sonntag nach sechs guten Tagen nach Hause gefahren. Auspacken, bisken Reinemachen, Tanzen gehen. Geht doch 🙂

Vor allen Dingen mit dem Wissen: hier fahren wir sicher wieder hin!

Im „wilden Osten“ haben wir nichts Außergewöhnliches festgestellt. Vielmehr laufen dort (zumindest was wir gesehen haben) die Alltäglichkeiten ab wie bei uns. Arbeiten, sein Leben regeln, Kinder großziehen, mit den vielfachen Interventionen des Lebens klar kommen, irgendwie menschlich und nichts Besonderes. Die Landschaft ist halt ganz anders als das Ruhrgebiet – Punkt.

Und ab und an denkt man an den Spruch von Opa Goosen (auf unseren A-40-T-Shirts): Woanders ist auch Scheiße!