Dienstende – Beginn Freizeit

Nach 45 Dienstjahren neigt sich meine Dienstzeit dem Ende zu.

Das war mir eine letzte ausgelassene Feier im Kollegenkreis wert; denn wie hat Sir Peter Unstinov so schön gesagt: „Was nutzt es mir, wenn ich der reichste Mensch auf dem Friedhof bin“. 🙂

An meinem 61. Geburtstag hatte ich viele der langjährigen Mitstreiter eingeladen, um meinen Ausstand zu feiern, und weil’s am Geburtstag war, kamen natürlich auch noch einige Familienmitglieder und gute Freunde hinzu. Das hatte ich schon vor einem Jahr geplant. Als Location hatte ich die Gastronomie von Heiner Jung im KGV Vogelsang gebucht, unterstützt vom Wattenscheider DJ Ulli Spies konnte die Fete nur noch gut werden.

An einem wunderbaren Dienstagnachmittag, wie geplant um 15:61 Uhr, strömten meine Wegbegleiter nach Höntrop; bei recht angenehmem Wetter genossen die Gäste das Beisammensein unter freiem Himmel. Von aktuellen Kolleginnen und Kollegen der Wache, von Kripo und Verkehrspolizei, genauso aus der Verwaltung, über etliche Pensionäre, mit denen ich lange Dienst machen durfte, waren auch einige Kollegen aus meinen ehemaligen Dienststellen im Land gekommen. Natürlich fehlten auch die MitstreiterInnen und Akteure aus dem Personalrat und der Gewerkschaft der Polizei nicht.

Unter den Kollegen gab es natürlich eine Menge, die sich schon lange nicht mehr gesehen hatten, entsprechend groß und umfassend war der Gesprächsbedarf. Aber irgendwann kamen dann doch alle in den Räumlichkeiten zusammen, um „den Akt der Zurruhesetzung“ dann auch zu vollziehen. Die Zusage unserer Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier hatte ich schon etwas länger auf der Liste, natürlich immer mit der Furcht, dass wichtigere Termine dazwischen kommen. Als mich Frau Wittmeier ein paar Tage vorher zwecks Absprache des Ablaufs anrief, war ich natürlich schon echt begeistert. Als sie dann andeutete, dass sie für den Nachmittag keine weiteren Verpflichtungen hätte, legte sich die erste Aufregung über den möglichen Ablauf.

Die Feier stand unter dem Motto „Ende und Beginn“, so hatte ich auch die Einladung gestaltet. Deshalb war es für mich selbstverständlich, den Empfang und die erste Begrüßung in der nun endenden Uniform durchzuführen. Alle ankommenden lieben Mitmenschen waren zwar zunächst irgendwie erstaunt, aber „die nicht erwartete Aktion“ war schon seit meiner IF-Trainer-Zeit in den 80ern mein Markenzeichen. Und so lieb mir alle waren, die kleine Julie stand natürlich (verm. nicht nur bei mir) ganz oben (auf dem Arm).

So verging die erste halbe Stunde wie im Flug, und leider blieben da für jeden wirklich nur ein paar wenige Worte, aber die hatten es alle in sich. Und natürlich war es für mich schön anzusehen, wie sich viele Gespräche nach manchmal so richtig langer Zeit entfachten.

… zB Volker (heute VK) und Klaus (heute KK), mit denen ich über lange 80er und 90er Jahre zusammen auf „Anton“ Dienst machen durfte …

Und so, unterstützt durch die Polizeipräsidentin, kriegte ich so langsam die Kurve zu meinen 45 Jahren Polizeidienst, gespickt mit Ausflügen ins Private und Persönliche. Für den Einstieg hatte ich einen viertelstündigen Videofilm erstellt, mit aktuellen Bildern aus dem Dienst und dem Dreh zu den privaten Aussichten. Die Zeit nutzte ich, um mich aus der Uniform in eine zivile Kleidung (anlehnend an die 70er) zu wechseln.

Und dann gab es eine nicht abgesprochene, noch weniger eingeprobte Darbietung, die mich so richtig vom Hocker gehauen hat. Normalerweise findet im Präsidium regelmäßig eine kleine Feierlichkeit statt, bei der die Polizeipräsidentin die zukünftigen Pensionäre mit herzlichen Worten und einem kleinen Rückblick, durchaus in einem Dialog, in den Ruhestand schickt. Diesen Akt hatte ich mir für diese meine private Feier gewünscht, und dieser Wunsch ging in Erfüllung. Vor zig Mitmenschen aus meinem Leben erzählte Frau Wittmeier die Geschichte von Uwe Danz, angefangen bei der Bewerbung und der Einschätzung der damliegen Auswahlkommission (hatte ich bis dato noch nichts von gehört, ährlich!) über die lange Zeit mit den verschiedenen Vorkommnissen auf diesem Weg (sogar der Verlust des Dienstausweises in 1974 war dabei).

Naja, von meiner mir aufgeschriebenen Schüchternheit und Zurückhaltung war an diesem Nachmittag nichts zu merken. Mit der nicht wegzudenkenden Präsentation hatte ich einige Dinge aus der Vergangenheit aufbereitet – und die passten fast zu hundert Prozent zu den Ausführungen der Polizeipräsidentin – es entfaltete sich eine echt schon fast lustiges, aber auf jeden Fall wahrhaftiges Gespräch (oK – Ausreden lassen gehört immer noch nicht zu meinen Tugenden), insbes. auch auf Grundlage ihrer aus der Personalakte herausgeschriebenen Daten und Fakten. Aber es gab auch viel Freiraum für Ausflüge nach links und rechts …

da waren zwei aber so richtig gut drauf

Ich weiß heute, dass so eine Verabschiedung durch die Behördenleiterin nicht zur Tagesordnung gehört. Umso stärker ist meine Hochachtung und mein Dank, zumal ich auch sicher bin, dass so alle Besucher denken. Die Rückmeldungen nach dieser „session“ waren genauso toll, wie meine Gefühlswelt. Ich könnte hier noch tausend Dinge aus dieser „Verabschiedung“ erwähnen – ich behalte sie auf jeden Fall in meinem Herzen.

Natürlich gab es dann den unvermeidlichen Akt, mit Urkunde usw. Da hielt auch der nötige Ernst Einzug (Dank Gero wurde dies in einem schönen Video festgehalten).

Während der Darstellungen bin ich auch kurz auf die langjährige Freundschaft zum Wattenscheider Lions-Club e.V. eingegangen. Das nahmen die beiden „entsandten“ Mitglieder Gerd Richter (war wirklich Richter) und Joachim Kersting zum Anlass, eine ganz besondere Ehrung auszusprechen. Mit den beiden habe ich schon mind. 15 Jahre sehr harmonisch zugunsten einiger Benefiz-Aktivitäten für Wattenscheid zusammengearbeitet.

Joachim Kersting, Lions-Club Wattenscheid mit dem eigenen Lions-Wimpel (mit der Gänsereiter-Gans und der Grubenlampe)

Neben dem Präsent aus dem Wattenscheider Lions-Club erreichte mich eine besondere Auszeichnung des inernationalen Lions-Club: die „Medal of Merit“, eine wirklich spektakuläre Auszeichnung mit offiziellem Anhänger und Urkunde.

So flogen die Stunden wirklich nur so dahin, aber so kurzweilig war der Nachmittag, dass schon das Abendessen vor der Tür stand. Noch mussten und durften die Gäste einen weiteren Programmpunkt mitnehmen: Franz Wiener aus der Kolpingschar Höntrop gab eine Kurzvorstellung zum Thema „Wir im Revier“, so richtig nach meinem Geschmack 🙂

Franz ist langjähriger „Mitspieler“, wenn die Kolpingschar auftritt; ich habe ihn schon ein paar Male beim Benefiz-Karneval der Höntroper Kolpingsfamilie als Büttenredner erlebt, und so ähnlich lief sein Vortrag ab, zur Freude der Anwesenden, die sich hier und da auf jeden Fall wiedererkennen durften. Danke dazu an meinen Freund Michael mit seinen unendlichen Kontakten zu allen möglichen Menschen!

Und für alle, die noch nicht zur Schlacht am Buffet antreten wollten, hatte ich, ich weiß gar nicht mehr wie, aber irgendwie hatte ich da eine Brücke gebaut, noch einen 4-Min.-Film, der mich mit viel Stolz erfüllt, auch wenn sich der Großvater-Stolz über alle Enkel gleichermaßen verteilt. Die Teilnahme unserer 11jährigen Leni vor ein paar Monaten im MoviePark bei den Deutschen Meisterschaften im HipHop-Dance (Platz 5). Da konnte ich nur ganz andächtig zuschauen.

Leni ganz nah bei mir

Dann endlich eine größere Pause für alle 🙂 bisken wat auf die Gabel, ein Bierchen in Ruhe, hier und da quatschen … ja so ging die Zeit weiter und weiter. Meine unterbrochene PowerPoint brachte ich noch irgendwie zu Ende, ein paar Tänzchen mit meiner Marina, und schon zeigte die Zeit 22 Uhr. Die meisten Besucher verabschiedeten sich, klar mitten in der Woche und fast alle schon seit 16 Uhr am Ball.

Mit dem harten Kern (Danke an Harry und Curty!) gab es mal wieder ein letztes Bier (die sind ja eh immer schlecht), und mit Marina und Rad ging es dann nach Hause.

Und am folgende Mittwoch, ungelogen, die ganzen Karten, Geschenke usw. abholen, sortieren, einräumen und und und. Zum Glück war die Gaststätte mit Musik und Licht nicht mehr von uns aufzuräumen. Danke an alle lieben HelferInnen …

Donnerstag muss Marina noch ihre Zwilinge bespaßen und Freitag lockt die erste Ausfahrt als Ruheständler – Rhein in Flammen 🙂

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