Covid-19: Unsere 319 Tage …

… mit Seuchenschutz-Einschränkungen. Seit Anfang März gibt es tägliche Horrormeldungen zu der aufkommenden Virus-Epedemie. Genauso täglich melden sich Bundes-, Landes- und Kommunalregierungen mit Maßnahmen und Regelungen, die das eindämmen sollen. Alles ist besser als nix machen, auch wenn die Kritiker alles besser wissen (aber das kennen wir ja vom Fußball ;-). Wir schreiben hier mal unsere Eindrücke, Empfindungen und all die Dinge, die uns dazu bewegen.

24. Januar: Verschärft & Verlängert

Ab morgen greifen weitere Verschärfungen, um die Zahlen wieder einzufangen. Mehr Homeoffice, bessere Masken im öPNV und beim Einkaufen … und eine Verlängerung bis 14. Februar – vorerst. Eigentlich wird es bis zu den Osterferien weitergehen, aber mit den gültigen Gesetzen darf die Regierung nur die nächsten 4 Wochen bestimmen. Die Schulen bleiben weiter zu, die KiTas sollen nur bei dringendem Bedarf besucht werden (welche Eltern haben keinen besonders dringenden Bedarf in diesen Zeiten?). In Berlin (als ein Beispiel) gibt es eine 28-seitige (!) Liste mit den Menschen, die die KiTa nutzen dürfen – ich wusste gar nicht, dass es so viele Berufsgruppen gibt. Und nun werde ich endlich mal ein paar Ausführungen zu den Abläufen in den Schulen machen, die mir schon sehr lange auf den Nägeln brennen. Da gab es in der Vergangenheit so viele Anstöße, aber ich habe immer an das Gute geglaubt. Naja, bei Lehrern an das Gute glauben … das hat in den 70ern schon Pink Floyd zu einem besonderen Lied motiviert; Ihr erinnert Euch an „Another Brick In The Wall“? Heute habe ich im Checkpoint (Tagesspiegel) eine Glosse gelesen, die meine Triebe von angesteuert haben:

Apropos Schule: Einen erschütternden Beitrag zum Stillstand der Dinge erstellte gestern die Schulleiterin des Werner-von-Siemens-Gymnasiums per dreiseitigem Verfahrensbrief an das Kollegium und die Eltern (ohne Abi kaum zu verstehen, und mit erst recht nicht). Fazit: Das verwendete Wort „Schulorganisation“ ist dort ein Euphemismus der Extraklasse. Im 12. Jahrgang entscheiden Schüler- und LehrerInnen per Mehrheitsabstimmung über Präsenzunterricht, dann gibt’s aber „Einschränkungen beim saLzH“ (schulisch angeleiteten Lernen zu Hause), weil die Lehrkräfte ja „erst noch den Heimweg bewältigenmüssen“. Der „Wandertag“ wird vorverlegt auf den 9.2. und umfunktioniert zu einem Zeugnisabholungsevent. Weitere Hinweise:

Da der Senat die Kolleginnen und Kollegen noch nicht mit Dienstgeräten ausgestattet hat, kann es keine Verpflichtung zur Nutzung von privater Technik geben.“

Bezogen auf die Arbeit mit der Technik in der Schule ist weiterhin anzumerken, dass insbesondere die aktuelle Internet-Anbindung der Schule, die das Bezirksamt bislang nicht in besserer Ausstattung genehmigt hat, ebenfalls zu erheblichen Einschränkungen beiträgt.“

Wie jeder Unterrichtsinhalt und jede Unterrichtsform im regulären Unterricht ist auch das Durchführen einer Videokonferenz eine Entscheidung jedes einzelnen Kollegen und jeder einzelnen Kollegin.“

Fast 12 Monate sind nun mit Corona ins Land gegangen. Da, wo es um’s Geld geht, insbes. um’s große Geld, gibt es Innovationen und Umsätze; da gbt es eine erhebliche Zahl an Gewinnern. Und es gibt viele Verlierer der Pandemie, und da braucht man nicht in die Ferne schauen. Kulturschaffende und deren Helfer, wie Techniker usw. Und unsere Kinder … zwar immer in Lippenbekenntnissen aller wichtigen Leute genannt … kriegen von Innovation und zuverlässiger Organisation auch nach Monaten nichts mit. Die Infrastruktur ist in der gesamten Zeit um keinen Deut besser geworden. Ok, in Berlin gibt es in 2021 endlich dienstliche Email-Adressen für die 33.000 LehrerInnen … einfach unglaublich. Das Festhalten am traditionellen Präsenzunterricht (30 SchülerInnen in einem Klassenraum) sollte verhindern, dass sich irgendjemand aus dem Schulbereich damit beschäftigt, wie es auch anders gehen könnte. Wo es Ideen gibt, die angespannte Lage mi t Kreativität & Technik zu entzerren, wird das mit Anweisungen unterbunden (zB Solingen, Herne). Da werden 1000 Gründe ins Feld gezogen, warum es keinen versetzten / geteilten Unterricht geben kann, warum der Samstag weiter schulfrei bleibt, warum LehrerInnen nachmittags besseres zu tun haben als Kinder zu unterrichten. Unsere eigenen Enkelkinder haben uns viele Geschichten erzählt von gebündelter Inkompetenz an Digi-Geräten (kann man das nicht in einigen Wochen beheben????), von Mangel an technischer Ausstattung (da werden etliche Milliarden in die Autoindustrie gepumpt, das WLan in den Schulen steht auf dem Stand des 19. Jahrhundert), von Resignation und Hoffnungslosigkeit in den Schulgebäuden. Und wenn die überwiegenden FDP-Kultus-/Bildungs-MinisterInnen vor der Kamera über ihre Verantwortung sprechen … einfach nur grottenschlecht. Da fordern die WissenschaftlerInnen und ExpertInnen für Virologie den Abstand nicht nur in Schulen, sondern auch davor und in den Bussen … die MinisterRiege führt das ad absurdum. SCHULEN SIND SICHER! Auch wenn bei den hohen Zahlen inzwischen keiner weiß, woher die Masse an Infektionen herrühren, die Schulen sind da nicht beteiligt. Boah eyh, weisse ???

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen ihre Bildung aus der Bild beziehen – und die baut halt auf Meinungsmache, nicht auf Fakten!

17. Januar: Menschen sind triebgesteuert

Eigentlich läuft der verstärkte Lockdown erst seit 10. Januar. Aber schon heute wird bekannt, dass ein Ende am 31. Januar auf keinen Fall kommt und dass schon bald eine Verschärfung eintreten wird. Die Zahl der Corona-Todesfälle steigt stetig, inzwischen sind es mehr als 1100 täglich. Da auch die Infizierten-Zahlen nicht zurückgehen (mehr als 20.000 tägl.), muss was geschehen, so die Regierungen aus Bund & Ländern.

Allerdings sind die Regeln für viele Menschen nur Empfehlungen. Es gibt keine Kontrolle, so dass auch die „treuesten“ Follower der Regeln irgendwann aufgeben, weil sie erkennen, dass viele Mitbürger „ihr Ding machen“, ohne Rücksicht auf die Einschränkungen. Dazu kommen Lücken und Interpretationen, die die Regeln so sehr aufweichen, dass keiner mehr so richtig weiß, was überhaupt gilt. Diejenigen, die mit „gesundem Menschenverstand“ der Pandemie widerstehen, Abstände halten, Masken benutzen und die Kontakte rigoros minimieren, werden somit immer weniger. Der Mensch ist von seinen Trieben gesteuert, und solange diese nicht durch drastische Strafen als Konsequenzen von vernünftigen Kontrollen eingebremst werden, handeln sie nach ihren eigenen Bedürfnissen. Beispiele gefällig?

  • Ausflugs-/Skigebiete werden überrannt, trotz Corona-Hinweisen
  • Tägliche Berichte von Partys und Festen außerhalb jeglicher Corona-Regeln (Volle Krankenhäuser, Krematorien am Limit und im Wedding wird eine Hochzeit mit 60 Personen gefeiert. Als Ehrengast schaute die Berliner Polizei vorbei, stellte 56 Corona-Verstöße fest und beendete die Hochzeitsnacht vorzeitig. Aus Checkpoint, 18.1.2021)
  • Vor den „Mitnahme“-Läden lange Schlangen von Käufern
  • Baumärkte sind geöffnet (auch wenn nur für Gewerbetreibende, aber jeder kennt jemanden)
  • Wettbuden gleichen Ansammlungen, keine Abstände, keine Masken
  • Reisende (touristisch verboten) müssen in Quarantäne. Aber wer aus NL, F, oder sonst woher, mit dem Pkw einreist, hat keine Konsequenzen zu erwarten. Und geflogen wird derzeit kaum, das wird noch so einigermaßen kontrolliert.

Die Liste ließe sich unendlich verlängern – und jeder hat seine guten Gründe, sich regelwidrig zu verhalten, sein fieses , sozial-widriges Tun zu rechtfertigen. Derweil müssen insbes. diejenigen, die sich korrekt verhalten, unter immer schärferen Regeln leiden. Nur deshalb, weil die bestehenden Regeln nicht kontrolliert werden.

10. Januar: Lockdown-Verschärfung

Lockdown „light“ ab November, Verschärfung im Dezember, Lockerung über Weihnachten: es nützt dem Ergebnis wenig. Die Inzidenz-Zahlen gehen in ganz Deutschland weiter in die Höhe. Die angestrebten „50“ sind flächendeckend nicht in Sicht. Die am stärksten betroffenen Gebiete liegen nicht, wie man vermuten könnte, in den großstädtischen Bereichen (zB in umserem Ruhrpott), sondern in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin. Ist das Virus im Osten aggressiver? Oder ist die Mentalität dort virus-freundlicher?

Inzwischen wissen das auch die Wissenschaftler nicht mehr; denn eine Nachverfolgung der Infekt-Strecken ist schon seit langem nicht mehr möglich. Insofern kann jede/r von sich behaupten: bei uns ist alles im Lot, wir haben so gute Hygienekonzepte, da kann nichts passieren. Genau diese Argumentation schlägt bei den Schulen bundesweit durch. Entgegen der Experten-Tipps (Schulen nur mit den Mindeststandards wie Abstand, Masken usw. betreiben) wird seit Monaten nicht wirklich durchgreifendes organisiert (weil Schulen absolut sicher sind). Jede/r mit etwas gesundem Menschenverstand dürfte klar sein, dass hunderte von Schülern auf nem Haufen (vor den Schulen, in den Bussen, auf den Schulhöfen, in den Klassen) ohne jegliche Hygiene-Maßnahmen sehr virus-einladend sind. Alle vorgeschlagenen Konzepte (Halbieren der Klassen, größere Räume in Messen o. ä. anmieten, Luftreiniger usw.) wurden seitens fast aller Bildungsminister ignoriert; die NRW-Frau Gebauer hat sogar Zweifel an diesen wissenschaftlich fundierten Vorschlägen geübt: eine Schulmnisterin, die der Wissenschaft nicht glaubt – einfach der Hammer. Und so weiß eigentlich jede/r, der nicht mit dem Kopp anne Wand pennt: hier geht’s um wirtschaftliche Zusammenhänge, nicht um die Bildungschancen unserer Jungend. Denn mit diesem Hintergrund hätte man in den vergangennen Wochen und Monaten ganz super und easy einen geteilten Unterricht, digitalisiertes Lernen, mechanische Hilfen wie Luftwäscher usw, vorbereiten können. Jetzt, nach den Weihnachtsferien, ist nix passiert, außer dass die Zahlen weiter steigen. Somit kam die Reißleine von ganz oben: alle Schulen dicht, alle, auch die ersten Klassen. Die gehen jetzt auch ins Homeschooling, natürlich völlig unvorbereitet, weil noch vor den Ferien der Maßstab war: Schulen werden nicht mehr dicht gemacht. Da vergebe ich mal eine Schulnote an diese Verantwortlichen wie damals meine Latein-Lehrerin: 6! Aber eher eine 10-20, näher an Hundert.

Draußen auf den Straßen und Plätzen sieht man, warum die Zahlen nicht zurückgehen. Da muss man keine Wissenschaft bemühen. Es sind Leute ohne Ende unterwegs. Alle Läden dürfen zum Abholen geöffnet sein; unsere Beschwerde, dass wir als Ehepaar nur einen Besucher treffen dürfen, aber in den Wettbuden lebhafter Publikumsverkehr herrscht, teilweise ohne Masken, wird vom Ordnungsamt beantwortet: Wettbüros dürfen zur Annahme der Wettscheine geöffnet haben, der weitere Aufenthalt dort ist verboten. Wer will solche Regeln kontrollieren? Und so geht’s quasi um alle Regeln. Weil es bei der von Merkel angekündigten Bewegungsbeschränkung der 15 km-Grenze bei HotSpots über 200 alleine über 14 Ausnahmen gibt, haben die meisten Bundesländer (NRW auch) diese Einschränkung direkt weggelassen – weil nicht kontrollierbar. So bleibt es bei Emfehlungen, wie bei so vielen anderen Regeln auch. NRW: Die Einschränkung auf 1 Person wird im privaten empfohlen, nicht angeordnet. Wer en wenig in unsere Vergangenheit schaut, weiß, dass viele Menschen sich solchen Empfehlungen um ein sozail-adäquates Verhalten nicht unterwerfen: Freiheit über alles. Hält sich jemand an die Richtgeschwindigkeit (BRD als einziges Raser-Land in der EU), haben sich die Massen im Auto angeschnallt? Nö, erst als es Geld gekostet hat, Ihr erinnert Euch. Und in der gleichen Tod bringenden Pandemie wird auf Freiwilligkeit und Einsicht gesetzt … lächerlicher geht’s nun wirklich nicht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr MitbürgerInnen denken, naja, ist ja alles nicht so schlimm … an uns liegt es nicht. Allerdings können die bislang fast 40.000 Tote nicht widersprechen.

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