Di., 13. – Do., 15. Juli 2021: 48 Stunden Dauerregen

Bislang nicht erlebte Wassermassen überfluteten in kürzester Zeit große Teile von NRW und Rheinland-Pfalz. In wenigen Stunden verloren weit über 100 Menschen ihr Leben, hunderttausende ihr Hab und Gut. Die unvorstellbare Kraft und Wucht der reißenden Fluten zerstörten Häuser, Straßen, Brücken – einfach alles.

Ich verzichte ganz bewusst in diesem Beitrag auf die Bilder der Zerstörung. Bei Bedarf sind diese unter dem #Hochwasser in den sozialen Medien und den Nachrichtenportalen (zB mit hier vielen Bildern: WDR) einsehbar. Der Schock über diese Ereignisse, das Drama der betroffenen Menschen, die Hilflosigkeit und der tiefe Schmerz hat mich dennoch bewegt, ein paar Gedanken dazu aufzuschreiben.

Zum Glück sind wir selber nicht betroffen. Aber das ist einfach nur Glück, Zufall oder auch Gottes Geschick. Es lag nicht an uns, dass die Wassermassen uns verschont haben. Miriam und ihre Nachbarn allerdings mussten sich in Munscheid mit aller Kraft gegen das Wasser und den runterrauschenden Dreck stemmen. Die Gullys und Wasserabläufe frei halten war wohl oberstes Gebot und die zur Verfügung stehenden Absperrungen mussten aufgebaut werden – es hat geklappt! Halb NRW ist abgesoffen und ausgerechnet das Munscheider Loch hat des überstanden – das ist wohl richtig Glück gepaart mit heftigem körperlichen Einsatz.

Noch so viel körperlicher Einsatz, noch so aufwändige technische Hilfsmittel wurden allerdings in vielen Teilen einfach weggespült. Häuser, Straßen, Brücken – weg, wie Streihölzer geknickt und anschließend in den Fluten verschwunden – unvorstellbar. Und welch ein Horror für direkt Betroffene …

Umso schlimmer die Nachricht von unserer Celine, dass der Reitstall in Werne komplett abgesoffen ist. Daran hätte ich ja im entferntesten nicht gedacht – dort, wo die Welt so einfach noch in Ordnung erschien. Weiden, Wälder, wenig Verkehr, wenig Versiegelung – aber der Harpener Bach, so hoch mit Wasser wie noch nie auf seinem Weg zur Ruhr, überspülte die Stallungen, die Reithalle, die Plätze und riß die einzige und umso wichtigere Brücke weg. Die Pferde musste bis spät in die Nacht zu anderen Ställen gebracht werden, mit eilig herbeigerufenen Helfer*innen per Auto und Hänger, aber auch zu Fuß und hoch zu Pferd. Sättel und Inventar musste gerettet werden, trotz zusammenbrechender Infrastruktur. Absolute Hochachtung, vor unserer „kleinen“ Celine und ihre Mitstreiter*innen. Kein Personen- und kein Tierschaden. Alles andere muss nun ersetzt werden, aber auch hier wie überall im Land: sehr große Solidarität und schon einen Tag später waren erhebeliche Sach- und Geldspenden da, um das Nötigste wieder aufzubauen.

Mein Fazit daraus:

Ich verlange von meiner Regierung, dass sie „in weiser Voraussicht“ und in „Wahrnehmung ihrer Verantwortung dem Land und den Bürger*innen gegenüber“ ganz gewisse Dinge verbieten und andere so unattraktiv zu gestalten, dass ich überwiegend darauf verzichte. Die Menschen jetzt und heute, nach Jahren des Schwelgens und des Übermaßes, zur Zurückhaltung aufzufordern, den Verzicht auf die eigene Komfortzone auf freiwilliger Basis anzumahnen, das wird im Chaos enden. Und der Verweis, dass sich dann viele Menschen, insbes. Geringverdiener, vieles nicht mehr leisten können, ist absoluter opportunistischer Humbug. Ich kann mir keine Yacht in einem mondänen Hafen leisten, ich muss auf eine touristische Tour ins Weltall verzichten usw. usw. – und dass billigstes Autofahren und durch-die-Welt-jetten ein verfassungsmäßiges Menschenrecht wäre, ist genauso ein Humbug.

Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben, hier mein Lied an die Vernunft, von Carolin Kebekus und Luisa Neubauer (Fridays For Future).

https://drive.google.com/file/d/1r2oYWeN437ZWJYwmG7nzfYDteSg7GWQQ/view?usp=sharing

Wir haben in unserem Rahmen für die Not gespendet. Hier der kurze Weg, damit Ihr mitmachen könnt!

https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/spenden/spenden/?fb_item_id=40824